Dr. Christian Weghorn, Internist und 2. Vorsitzender der Bamberger Gesundheitsregion, informiert über familiär erhöhtes Darmkrebsrisiko.
Rund 30 Prozent der an Darmkrebs erkrankten Menschen haben ein familiär erhöhtes Risiko für diese Erkrankung. In Deutschland sind ca. 4 Millionen Menschen davon betroffen. Die meisten haben entweder keine Kenntnis davon, dass es in ihrer Familie ein erhöhtes Risiko an Darmkrebs zu erkranken gibt oder wissen nicht, dass für sie andere Vorsorgeempfehlungen gelten als für die Normalbevölkerung.
Es gibt gegenwärtig keine geeigneten technischen oder sonstige praktische Maßnahmen, um Menschen mit erhöhtem Darmkrebsrisiko in der ärztlichen Allgemeinpraxis zu identifizieren und über geeignete Vorsorgestrategien aufzuklären. Es ist daher umso wichtiger, die betroffene Personengruppe über Infomaterial und Medien darüber aufzuklären und ihnen zu zeigen,wie sie wirkungsvollsich vor Darmkrebs schützen können.
Was bedeutet ein „familiär erhöhtes Risiko“?
Wenn in einer Familie in mehreren Generationen ein oder mehrere Fälle von Darmkrebs vorkamen- erhöht das für alle direkten Verwandten ( = Eltern, Geschwister,Kinder) das Darmkrebsrisiko. Betroffen davon ist jeder direkte Verwandte eines Darmkrebspatienten sowie jeder direkte Verwandte von Patienten mit Darmpolypen (Adenomen) und jeder direkte Verwandte von Personen, die an Magenkrebs, Eierstockkrebs, Gebärmutterkrebs oder Harnleiterkrebs erkrankt sind.
Wie hoch ist das Risiko dann?
Es ist dann 2 bis 3 mal so hoch bei direkten Verwandten im Alter unter 55 Jahren als normal. Es liegt sogar bei 60 bis 80 Prozent, wenn in der Familie mehrere Darmkrebsfälle aufgetreten sind und/oder zusätzliche Erkrankungen an Magen-, Eierstock-, Gebärmutter oder Harnleiterkrebs aufgetreten sind.
Welche Vorsorgemaßnahmen sind zu ergreifen?
Früh- und rechtzeitiges Erkennen von Krebsvorstufen (Darmpolypen) und eventuell auch der bereits eingetretenen Krebserkrankung sind ausschließlich durch eine Darmspiegelung (Koloskopie) möglich, nicht durch Stuhltests oder ähnliches.
- Betroffene sollten ihre Verwandten aufklären und zur Vorsorgedarmspiegelung motivieren!
- Falls Krebs ein Tabuthema in der Familie ist: selbst Familienforschung betreiben: Wer – Wann – Womit erkrankt?
Ab wann soll ich als Betroffener mit der Vorsorge beginnen?
Rund 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter der direkt verwandten, betroffenen Person, spätestens mit 40 bis 45 Jahren. Das familiäre Risiko ist umso höher, je jünger die erkrankte Person war. Z.B. 43 Jahre, dann müssen alle direkt Verwandte mit 33 Jahren beginnen und alle Älteren sofort. Bei „Darmkrebsfamilien“ sollte die Vorsorge mit 25 Jahren beginnen.