Plötzlicher Herztod – Defibrillatoren können Leben retten

Leider sind es nicht nur alte Menschen, die am plötzlichen Herztod versterben, sondern viele junge, offensichtlich gesunde Menschen. Dazu gehören Leistungssportler, junge Menschen mit einer bis dahin unerkannten Herzmuskelerkrankung oder sportlich aktive Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter, die an unerkannten Herzrhythmusstörungen oder einem unerkannten Hochdruck gelitten haben.

Dr. Jutta Schimmelpfennig, erste Vorsitzende der Bamberger Gesundheitsregion

Der "plötzliche Herztod" kommt oft aus heiterem Himmel

Betroffene fallen plötzlich zu Boden und erleiden ein so genanntes Kammerflimmern. „Kammerflimmern bedeutet, dass die regelmäßigen Kontraktionen des Herzmuskels sich in plötzlichen unkoordinierten Zuckungen des Muskels verlieren. Eine regelrechte Sauerstoffversorgung des Gehirns und der Organe ist dann nicht mehr möglich“, erklärt Frau Dr. Schimmelpfennig.

Bis zum Eintreffen eines Rettungsdienstes vergehen durchschnittlich etwa 6 bis 10 Minuten. Mit jeder verstrichenen Minute sinkt die Überlebenschance des Betroffenen jedoch um etwa 10 Prozent. Schnelles Handeln entscheidet somit über Leben und Tod.

Lebensrettend ist im Falle eines plötzlichen Herzanfalls der Einsatz eines so genannten Defibrillators, auch Schockgeber genannt. Der durch das Gerät ausgelöste Elektroschock koordiniert die elektrische Leitung des Herzens und führt wieder zu einem geordneten Rhythmus. Moderne Defibrillatoren sind auch für Laien leicht zu bedienen. Nach der Öffnung des Gerätes erhält der Benutzer verständliche Angaben darüber, ob eine Defibrillation tatsächlich erforderlich ist oder nicht. Im Falle einer Defibrillation erfolgen deutliche Anweisungen wann die Maßnahme begonnen und beendet werden soll. Gleichzeitig müssen die im Rahmen von Erste- Hilfe-Kursen erlernten Basismaßnahmen ergriffen werden, um einen minimalen Kreislauf im Körper des Patienten mittels Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung oder Mund-zu-Nase-Beatmung aufrechtzuerhalten. Dadurch soll insbesondere das Gehirn vor massiven Schädigungen bewahrt werden.

„Defibrillatoren sollten überall dort verfügbar sein, wo es zu Menschenansammlungen kommt“

Uwe Dotterweich, Vertriebsleiter Kompetenzzentrum Nordbayern der Firma ChiroMed Medizintechik setzt sich nachdrücklich für das Thema Frühdefibrillation  in der Gesundheitsregion Bamberg ein. Seiner Ansicht nach sollten Laiendefibrillatoren (AED = Automatischer Externer Defibrillator) überall dort zur Verfügung stehen, wo es zu größeren Menschenansammlungen kommt und ein guter Zugang zu den Geräten gewährleistet werden kann  - etwa in öffentlichen Gebäuden, Sportanlagen und Einkaufszentren.

Bislang bekannte Standorte in der Region sind das ETA Hofmann Theater, die Bamberger Konzert- und Kongresshalle, der Bamberger Schwimmverein, das Ertl-Zentrum, Media Markt (Hallstadt), die Firma ChiroMed in Hirschaid, die Realschule Hirschaid, die DLRG Hirschaid und der Golfclub Reichmannsdorf. Der in der Konzerthalle installierte Defibrillator konnte vom Hausmeister bereits zur erfolgreichen Reanimation eines Konzertbesuchers eingesetzt werden. „Sobald ein Mensch bewusstlos ist, ist es kein Fehler, einen AED heranzunehmen. Dieser würde den Herzrhythmus selbstständig analysieren und nur dann einen Schock empfehlen, wenn es wirklich nötig ist“, erklärt Uwe Dotterweich.  

Erheblichen Nachholbedarf sieht Uwe Dotterweich vor allem in der Koordination der bereits vorhandenen Standorte.  „Leider ist es im Raum Bamberg nicht so, wie z.B. in anderen Landkreisen, wo die Standorte über einen sogenannten Defifinder koordiniert sind. Beispiel Landkreis Neustadt/Aisch oder der Kreis Bayreuth-Kulmbach - dort erfolgt die Standortmeldung über die ILS-Bayreuth (integrierte Leitstelle Bayreuth). Es gibt mittlerweile auch ein APP fürs I-Phone (www.defi-finder.com)“. Erschwerend komme hinzu, dass nun auch noch die zentrale Meldestelle aed-bayern ihren Dienst quittiert hätte.


Helfen Sie uns, unsere Liste aller Defibrillatoren-Standorte im Raum Bamberg aktuell zu halten. Falls Sie einen Defi finden, der in unserer "Defi-Liste" rechts nicht erscheint, schreiben Sie uns bitte.


Ab Mitte Juli verfügt auch der Bamberger Tennisclub im Hain über einen Laiendefibrillator. Jutta Schimmelpfennig, selbst langjähriges Mitglied im Tennisclub, hofft, dass dieser nicht so schnell eingesetzt werden muss. „Aber“, so Schimmelpfennig weiter, „es ist sehr beruhigend, dass es ihn gibt und er im Falle eines Falles sofort zur Hand ist“.

 

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